Sachverständigengutachten statt Arbeitshilfe des BMF

Bei Streitigkeiten zwischen dem Finanzamt und dem Steuerzahlenden nach dem Kauf einer Wohnung darf die Arbeitshilfe des Bundesfinanzministeriums nicht mehr herangezogen werden. Die Finanzgerichte müssen zukünftig ein Sachverständigengutachten einholen, wenn es nach dem Wohnungskauf daum geht, wie viel des Kaufpreises auf das Grundstück oder Gebäude entfallen. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) am Donnerstag, den 21.07.2020 (Az. IX R 26/19).

Das Finanzgericht sah in der Arbeitshilfe des BMF auf die Klage einer Steuerzahlerin, die 2017 eine vermietete Eigentumswohnung in einer Großstadt für 110.000 Euro kaufte, eine geeignete Schätzungshilfe. Dem Kaufvertrag nach sollten vom Kaufpreis nur 20.000 Euro auf das Grundstück entfallen, den restlichen Gebäudeanteil (ca. 82 Prozent) gab die Frau in ihrer Steuererklärung für Abschreibungen an. Das Finanzamt kam entgegen der Angabe auf einen Gebäudeanteil von 31 Prozent, nachdem es mit der Arbeitshilfe für die Aufteilung des Kaufpreises rechnete. Das Finanzgericht sah nach der Klage der Steuerzahlerin in der Arbeitshilfe des BMF ebenfalls eine geeignete Schätzungshilfe und reiche zur Widerlegung aus, dass die vertraglich geregelte Kaufpreisaufteilung marktangemessen sei.

Der Bundesfinanzhof entschied nun, dass die realen Verkehrswerte von Grund und Gebäude nicht mit der Arbeitshilfe des BMF ermittelt werden können, da laut des Senats nur nach dem vereinfachten Sachwertverfahren gerechnet werden könne. Der Orts- und Regionalisierungsfaktor, der insbesondere für die großstädtischen Ballungsräume relevant ist, kann dabei nicht berücksichtigt werden. Die Finanzgerichte müssen laut den Finanzrichter nun zukünftig für die Grundstücksbewertung ein Sachverständigengutachten einholen, wenn dies zwischen den Parteien streitig ist.

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