Höhere Kosten bei doppelter Haushaltsführung absetzbar

Mobilität gewinnt im Arbeitsleben immer mehr an Bedeutung. Bereits 12,8 Millionen Beschäftigte pendeln in Deutschland zwischen ihrem Wohnort und ihrer Arbeitsstelle. Wenn die tägliche Heimkehr nicht möglich ist, richten sich viele Arbeitnehmer sogar eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort ein. Dadurch entstehen zusätzlichen Kosten, die sich über die Jahre summieren. In der Einkommensteuererklärung können die Aufwände steuerlich geltend gemacht werden.

Die Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung können als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abgezogen werden. Das betrifft die Fahrtkosten (0,30 Euro je Entfernungskilometer für eine Familienheimfahrt pro Woche) sowie die Verpflegungsmehraufwendungen (12 Euro für An- und Abreisetage sowie 24 Euro für Tage mit 24-stündiger Abwesenheit bis 31.12.2020 – 14 Euro bzw. 28 Euro ab 01.01.2020) während der ersten drei Monate der doppelten Haushaltsführung. Auch die Kosten der Zweitwohnung sind abzugsfähig. Für jeden Monat der doppelten Haushaltsführung dürfen bis zu 1.000 Euro angesetzt werden. Dazu gehören die Raummiete, die kalten und warmen Betriebskosten einschließlich der Stromkosten sowie die anfallende Zweitwohnungsteuer. Handelt es sich bei der Zweitwohnung um eine Eigentumswohnung, sind die Abschreibungen für Abnutzung und die Schuldzinsen statt der Miete ansetzbar.

Kosten für Einrichtungsgegenstände oder gemietetes Mobiliar sind nicht in die 1.000 Euro-Grenze einzubeziehen, sondern dürfen zusätzlich angesetzt werden. Dies entschied kürzlich der Bundesfinanzhof. Wird eine leere Wohnung angemietet und muss die Einrichtung selbst beschafft werden, so können die Aufwendungen im Jahr der Anschaffung in vollem Umfang als Werbungskosten berücksichtigt werden, wenn ihre Anschaffungskosten nicht mehr als 800 Euro betragen. War der Einrichtungsgegenstand teurer, so sind die Aufwendungen als Abschreibung für Abnutzung über die allgemeine Nutzungsdauer (bei Möbeln in der Regel 10 bis 13 Jahre) steuermindernd anzusetzen.

Handelt es sich bei der Zweitwohnung um eine möblierte Wohnung, darf der Mietanteil für die Möblierung zusätzlich als Werbungskosten abgezogen werden. Dabei ist der Aufteilung laut Mietvertrag zu folgen, wenn die Gesamtmiete bereits bei Vertragsabschluss in Miete für die Raumnutzung und Miete für die Nutzung der bereitgestellten Möbel aufgeteilt wurde. Alternativ müssen die Mietanteile geschätzt werden.

TIPP

Stimmen Sie das Schätzergebnis mit dem Vermieter ab. So können Unannehmlichkeiten durch Rückfragen der Finanzverwaltung aufgrund von Kontrollmitteilungen vermieden werden.

Ein entscheidendes Kriterium dafür, ob eine doppelte Haushaltführung beruflich veranlasst ist, bildet der Lebensmittelpunkt. Dieser befindet sich in der Regel am Wohnort der Familie. Bei ledigen Steuerpflichtigen können dies auch die Eltern und Freunde sein. Für die Anerkennung einer doppelten Haushaltführung ist ein eigener Hausstand und eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort notwendig. Ein eigener Hausstand liegt dann vor, wenn es sich um eine Wohnung handelt, die der Steuerpflichtige als Eigentümer, Mieter oder Untermieter selbst bewohnt und für die ihm auch Aufwendungen entstehen. Leben Ledige gemeinsam in einer Wohnung, so muss es sich dabei nicht zwingend um die Mietaufwendungen handeln. Auch wer sich an den laufenden Aufwendungen für einen gemeinsamen Haushalt beteiligt, kann einen eigenen Hausstand begründen. Unschädlich ist es auch, wenn die Aufwendungen nicht monatlich geleistet werden. Sogar die rückwirkende Beteiligung an den Haushaltskosten kann als Nachweis eines eigenen Hausstandes anerkannt werden.

So gaben die Finanzrichter einem Steuerpflichtigen, mit einer Zweitwohnung am auswärtigen Beschäftigungsort, Recht, der gemeinsam mit seinem Bruder die nicht abgeschlossene Wohnung im Obergeschoss des elterlichen Hauses bewohnte. Im Dezember überwies er 1.200 Euro für die Monate Januar bis Dezember als monatliche Kostenbeteiligung von je 100 Euro. Zusätzlich zahlte er 550 Euro als Beteiligung an der Fenstersanierung. Aber auch die Nachweise für Lebensmitteleinkäufe am Ort des eigenen Hausstandes in Höhe von 1.410 Euro waren ein Indiz für die Anerkennung seines Hauptwohnsitzes und daher auch für die Begründunge einer doppelten Haushaltführung.

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